Organisierte Radtour durch die Toskana
Allgemeine Bemerkungen:
Wir buchten die Reise bei Donau-Tours in Linz für Ende September, ab Mitte September wird sie überhaupt erst angeboten, weil jetzt die Temperaturen wieder erträglicher sind. Im diesjährigen langen heißen Sommer mit 35 – 40°C wäre es wohl auch recht beschwerlich gewesen. Die Tourdistanz betrug ca. 300 km verteilt auf 6 Etappen.

Italien, bzw. hier die Toskana ist nach unserer Meinung kein Radfahrerland, d.h. kein Land mit radfähiger Infrastruktur. Wer hier Rad fahren will, muß sich mit Mountain-Bikes in die Landschaft begeben oder mit schnellen Rennrädern, wie es viele Italiener tun, auf dicht befahrenen Straßen radeln, um mit dem Autoverkehr einigermaßen Schritt halten zu können.. Eine mittlere Szene für sogenannte Tourenradler, oder "fröhliche Genußradler", wie ich es kürzlich las, gibt es nicht, also auch so gut wie keine ausgebauten Radwege. Der Veranstalter hat sich viel Mühe gegeben, abseits der Straßen Wege zu finden, die Städte als Übernachtungsorte miteinander verbinden, aber es ist eben nicht einfach, zumal diese Wege dann auch oft schlechtere Feldwege und geschottert und oft waschbrettartig gerastert sind. Die angekündigten etwa 10% dicht befahrener Asphaltstraßen auf der ganzen Tour schätzten wir mit etwa 40 % ein, obwohl es die besseren Pisten waren. Schmale Randstreifen rechts der Sperrlinien gaben manchmal etwas Schutz vor rücksichtslosen LKW-Fahrern. Wo diese nicht vorhanden waren, wurde es recht gefährlich. Die zu Müllhalden umfunktionierten Straßengräben taten das übrige, daß uns diese Straßen in nicht allzu guter Erinnerung blieben.
Wir fuhren die Tour ungeführt, also individuell nach Beschreibung und mitgegebener Karte. Damit kamen wir ganz gut zurecht, was uns insbesondere in den Städten sehr zu Hilfe kam. Die Hotels waren freundlich auf Radfahrer eingestellt, selbst im "Best Western" oder Vier Sterne –"San Marco" wurden wir ausgesprochen freundlich bedient und die Räder standen auch mal in der Hotelvorhalle, wenn kein geeigneterer Stellplatz vorhanden war.
Der Gepäcktransport-Service war zufriedenstellend, wenn nicht gerade eine spezielle Leistung für einen anderen Teilnehmer die Lieferzeiten durcheinanderbrachte und das Gepäck erst 16°° oder 17°° eintraf. Dann hatte man Leerlaufzeiten, die zulasten des Stadtbummels gingen. Überhaupt kommt zwangsläufig die Kultur am Rande der Tour immer zu kurz, weil man zu wenig Zeit hat, die überdurchschnittlich reichen Schätze speziell der toskanisch-etruskischen Architektur und Kultur zu besuchen. Aber man hat die Landschaften unterwegs, die allerdings im September auch nicht mehr das bieten kann, was man als typisch für die Toskana kennt: Mohn-, Sonnenblumen-, Getreidefelder, endlos, mit Pinien- oder Zypressenhainen durchzogen. Die Pinien- und Zypressenhaine sind zwar da in ihrer ganzen Majestät und Schönheit, aber ansonsten herrscht die Farbe braun vor, oder das Grau der gepflügten Tonerdehügel, die sich dafür endlos bis an den Horizont erstrecken. Man kann also nicht alles haben, die angenehme Temperatur der Jahreszeit, die jetzt mit bis zu 28°C doch Radler noch ganz schön ins Schwitzen bringt oder die farbige Landschaft der heißeren Jahreszeit. Angenehmer sind die Straßen, wenn auch bergiger, ins Innere der Toskana zu fahren, wenn es durch die immergrüne Macchia, die Urwälder Italiens geht, wo Korkeichen, Ölbäume, Kastanien- und Nußbäume die Straßen säumen und Schatten und manchmal auch schon ein paar Früchte spenden.
Erster Tag: Florenz - Pistoia , 42 km
Wer am Tag vorher zeitig im Hotel angekommen ist, hat noch etwa einen halben Tag und einen Abend für die Stadt der Medici gehabt, hat den Ponte Vecchio überschritten, den Dom besucht, vielleicht auch die Kuppel im Inneren bestiegen, hat das bunte Treiben im Hof der Uffizien erlebt und sich mit teurem aber wohlschmeckendem italienischen Eis vollgestopft. Vielleicht hat er auch einen Aufstieg zu San Miniato geschafft und Florenz am Abend von oben bewundert, aber er hat wie überall auf dieser Radtour nur ein kleines Quentchen kultureller und historischer Eindrücke gesammelt – für mehr ist auf der Radtour einfach keine Zeit.
Das Hotel liegt am Westende der Stadt und durch den Stadtpark am Arnoufer, unter Auto- und Superstrada-Brücken hindurch erreicht man einen ruhigen Dammweg zwischen Eisenbahn und Fluß ohne noch einmal Kontakt mit den architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt zu bekommen. In Poggio wird der Besuch einer Medici-Villa empfohlen, ein eher spärlicher Ausgleich für nicht erfolgte Museumsbesuche in Florenz, da es aber regnet, ein willkommener trockener Raum mit Abglanz des berühmten toskanischen Herrscherhauses. Die Bar an der Straße gegenüber bietet heute zum Sonnabend bis 13°° Uhr Unterschlupf mit Cappuccino und Gebäck. Auf schlammigen Wegen, wir waren vorgewarnt worden, daß bei Regen die Wege schwer befahrbar sind, überqueren wir schließlich einen durch den Regen prall gefüllten Kanal und sind wieder auf einer Asphaltstraße, die uns durch endlose Gärtnereien und Baumschulen mit kunstvoll geformten immergrünen Bäumchen führt. Barockem Gartengeschmack wird hier für die ganze Welt Rechnung getragen in Form von kunstvoll gezüchteten figürlichen Immergrünen. Die Straßengräben sind von den eintägigen Regengüssen randvoll und liefern das sehnlichst erhoffte Naß, das im heißen trockenen Sommer vermißt wurde. Die Landschaft ist dicht besiedelt und bringt im weiten Schwemmtal des Arno auch eine üppige Lebensgrundlage für viele Bauern und Gärtner.
In Pistoia, der ersten für uns so typisch "italienischen" Stadt erwartet uns ein freundliches Hotel in der Innenstadt, in dem wir die Räder gleich in der Hotelhalle unterstellen können. Etwa 15 Räder, meist vom Veranstalter verliehene Trekking-Räder mit Schaltungen und Packtaschen für das Tagesgepäck, stehen hier dicht an dicht, trocken und beaufsichtigt. Die Spuren der Schlammpiste auf der Tour unübersehbar an Schuhen und Rädern, aber "nulla problema" für die freundliche Wirtin! Es wird bald dunkel, aber ein Stadtbummel ist noch drin und nach längerem Suchen finden wir auch ein renommiertes Lokal, in dem selbst Milva einst ihre Visitenkarte hinterließ. Aber die Küche hat uns enttäuscht.
Zweiter Tag: Pistoia - Lucca, 67 km
Das Frühstück neben den Fahrrädern ist ausgezeichnet, liebevoll und individuell arrangiert. Der Weg aus der Stadt hinaus führt entlang der Hauptstraße, aber dann auf ruhigen Nebenstraßen zum Monte Albano, einem kleinen Gebirge mit kräftiger Steigung. Ein Castello aus einem frühen Jahrhundert begrüßt uns auf der Höhe bevor es durch Gärten und Olivenhaine wieder abwärts in die Fucecchio-Ebene geht. An jeder Kreuzung oder Weggabelung müssen wir die Tourenbeschreibung befragen, finden aber den richtigen Weg zur Kirche von Stabbia, die sich wie fast alle Kirchen und Orte auf hohem Berge befinden und eine Bank zum Picknick dabei haben. Diese ist zwar nicht für müde Radler aufgestellt, für solche gibt es weit und breit keine anderen Rastmöglichkeiten, sondern für die älteren Kirchenbesucher, die sonntags hierher heraufsteigen müssen, um ihrem Herren näher zu sein. Wir lesen auf einem Hinweisschild, daß hier Emilia und Alessandro sich gestern ihr Jawort gaben. Eine fast täglich von uns angetroffene erfreuliche Mitteilung über das Leben der Menschen und seine Fortsetzung.
Im Tale des Serchio, der sich fast parallel zum Arno eine breite fruchtbare Flußaue geschaffen hat, radeln wir auf teils asphaltierten Wegen der Stadt Lucca zu, am Rande eines Gewitters entlang, das sich aber zu unseren Gunsten dem Gebirge zuwendet, aus dem wir gekommen sind. Das Hotel liegt noch vor der Stadtgrenze an der Ausfallstraße und ist ein Best Western-Hotel mit vier Sternen. Die letzten Kilometer Straße hatten schon ihre nervlichen Spuren hinterlassen, so daß das gute Hotelbad und -bett gerade recht kamen.
Nach dem Abruhen wird es bald Abend und die Straßen nach Lucca hinein sind nicht weniger dicht befahren. Die Tore der Altstadt lassen aber die meisten Autos außen vor und von der breiten mit den Rädern befahrbaren 4 km langen Stadtmauer mit ihren Bastionen gibt es einen herrlicher Ausblick auf den mit Bäumen bestandenen Wohnturm der Guinigis, einer die Geschichte prägenden Familie Luccas, auf den Dom, die vielen anderen romanischen Kirchen und Paläste und die japanischen Reisegruppen, die immer noch nicht müde ihre Kameras ansetzen und den Abend fotografieren. Nach dem Besuch der Piazza Anfiteatro, dem Areal eines zum Stadtplatz umgebauten einstigen römischen Amphitheaters, das wir gerade noch in der Abendsonne erleben und einer historischen Pizzeria, umrunden wir den Mauerring noch einmal bei einbrechender Nacht, ein bleibender Eindruck, wenn alle Touris schon in ihren Hotels sind und nur noch die Einheimischen Lokale und Straßen füllen.
Dritter Tag: Lucca - Pisa - Tirrenia, 58 km
Nach gutem Frühstücksbuffet fahren wir nach Lucca hinein, um wenigstens noch den Dom besuchen zu können, der am Abend vorher schon geschlossen hatte. Noch eine Runde auf der morgendlichen Stadtmauer und durch die Porta Santa Maria geht‘s in das morgendliche Treiben der motorisierten Stadt. Am Ufer des Serchio ist das erste Mal auf unserer Tour ein Radweg am Ufer entlang ausgeschildert, allerdings bloß 6 km lang und am anderen Ufer wieder zurück, aber es war ein "Radweg"! Ruhige Straßen durch das landschaftlich schöne Flußtal führen zur Weitung des Tales, wo sich die Schwemmebenen des Serchio und des Arno vereinen.
Man sieht den Schiefen Turm schon eine Weile, als wir uns der Stadt nähern, aber an einer langen Mauer entlang, die den Domkomplex einfaßt, müssen wir durch dichten Verkehr das eine Tor erreichen, das uns Einlaß gewährt, um dann durch das emsige endlose Markttreiben der Souvenir-Händler hindurch endlich einen Blick auf das wohl spektakulärste Bauwerk der Region werfen zu können. Die 12-jährige Rettungsaktion für den Turm ist zwar abgeschlossen, aber erst in ein paar Wochen dürfen die ersten Besucher in begrenzter Anzahl wieder hinauf, das ist im Dezember 2001. Das strahlende Weiß des Marmordoms, des Baptisteriums und der Mauer des Camposanto bietet aber schon von außen einen überwältigenden Eindruck.
Leider ist hier unsere Etappe noch nicht zu Ende, so daß uns wenig Zeit für die vielen Sehenswürdigkeiten bleibt, wir müssen noch nach Tirrenia weiter an die Küste. Um den Zivil- und den Militärflughafen herum führt die Tour zur Staatsstraße Nr.1, der historischen Römerstraße, der Via Aurelia. Es macht sich schon starker Küstenwind des nahen Meeres bemerkbar und erschwert das spurtreue Fahren auf der dicht befahrenen Straße. Als wir sie endlich verlassen dürfen, geht es 10 km an einem Camp der US-Army entlang schnurgerade in Richtung Küste mit ebenso dichtem wie schnellen Verkehr. Das Grandhotel in Tirrenia hat seinen Badestrand schon geschlossen in dieser Nachsaison und anders kommt man nicht ans Ufer. Eine Fehlplanung des Veranstalters, meinen wir, überhaupt diesen reizlosen Badeort anzusteuern.
Vierter Tag: Tirrenia - Casciana Terme, 43 km
Der starke Wind weht uns heute etwas entspannter am Camp Darby entlang zurück zur Via Aurelia, wo sich ein riesiges Camp der italienischen Streitkräfte anschließt und am Autobahnknotenpunkt bei Livorno erreichen wir endlich einen ruhigen Dammweg, der uns wieder um etwa 10 km landeinwärts schnurgerade durch eine langweilige Ebene führt, rechts der 5m hohe Damm eines Kanals, links der Blick auf einen neuen Kanal und in der Ferne Autohochstraßen... Die 35 km durch diese Ebene kann man vergessen...
Als es wieder Landschaft gibt, beginnt auch gleich ein Anstieg durch plötzlich ganz typisches und vertraut erscheinendes Gelände. Allerdings wechselt die Farbe der großen Ackerschollen ganz unvermittelt vom satten Rotbraun in fahles Grau, offensichtlich eine tonhaltige Erde, die die völlig überpflügten Hügel wie riesige Abraumhalden erscheinen läßt. Nur ab und zu eine verfallene Hütte in der Einöde oder eine kleine Kapelle am Wegesrand. Das muß im Frühjahr oder im Sommer, wenn das Getreide reift, ein schöner Anblick sein! Doch jetzt steht selbst das 4-Sterne San Marco-Hotel von Casciana Terme inmitten einer solchen Landschaft. Wieder mindestens zwei Nummern zu groß und zu mondän für uns Tourenradler, dieses Hotel, aber doch bis ins Detail ein Spitzenhotel. Der Ort ist Kurort, wie der Name schon verrät, und hat viele kleinere, vielleicht auch gemütlichere Hotels, aber diese wären alle ausgebucht, erfuhren wir auf Rückfragen beim Reiseveranstalter. Wir finden aber trotzdem zu Abend, das ist hier landestypisch immer erst so ab halb acht, noch ein gemütliches kleines Ristorante für unseren Hunger und Rotweinappetit!
Fünfter Tag: Casciana Terme - San Gimignano, 53 km
Der Tag beginnt herbstlich mit leichtem Frühdunst, aber Sonne ist schon bald wieder da und die Straße zu Beginn der Tour ruhig und ansteigend in beeindruckend weicher Landschaft. Die "Müllhalden" des Vortages sind schon nicht mehr überraschend, man kann sie auch wie heute Morgen stimmungsvoll finden. Hinab geht es in das Tal der Sterza, wir wählen von zwei Wegevarianten freiwillig die Straße, weil hier und heute wenig Verkehr ist. Die Straßenränder sind sauber, es ist eine ländliche Gegend, was auch an den wenigen kleinen Fiat-Autos zu sehen ist, die für das Erreichen der Felder oder des nächsten Marktes unterwegs sind. Am Hotel Molino d’Era, an einer Wegkreuzung mitten in der Landschaft ist ein Bustransfer auf den Paß hinauf vorgesehen, aber erst in 5 (!) Stunden. Wir zögern nicht und machen uns auf den Weg nach oben. Wir stellen fest, daß der schönste Teil der Strecke vor uns liegt, ständig steigend, zuerst auf ruhigem Schotterweg mit typischer toskanischer Landschaft, dann auf windungsreicher Asphaltstraße mit maximal 4-5% Steigung, was selbst mit unseren Fünfgangschaltungen bei 27 ° im Sonnenschein relativ mühelos zu bewältigen ist.
Die Stadt auf dem Berg, die wir schon zeitig am Horizont sehen, ist das sagenumwobene etruskische Volterra, eine Stadt aus dem 12-Städtebund der Etrusker weit vor der Zeitenwende. Leider steuern wir diese nicht an. Ein ebenso interessantes Ziel erwarten wir aber hinter dem 468 m hohen Paß zu sehen, das Panorama der Stadt San Gimignano mit ihren zahlreichen Geschlechtertürmen. An zahlreichen Geflügelfarmen vorbei fahren wir auf der Höhe die nunmehr dichter befahrene Straße wieder abwärts dem Ziele entgegen und erst kurz bevor sehen wir das natürlich auf einem Berg angesiedelte Städtchen mit seinen Türmen aufragen. Wir umfahren seine Mauern, um in dem kleinen Familienhotel außerhalb der Stadt abzusteigen, in dem uns ein Beo mit einem kräftigen "Buon Giorno" begrüßt.
Die völlig intakte mittelalterliche Stadt mit kompletter Stadtmauer, großem Dom, seinen Palazzi und Wohntürmen - von den ursprünglich über 70 sind 15 übrig geblieben - und ebenso wie in vielen anderen Städten keinem modernen Neubau, böte Besichtigungsmöglichkeiten für einen ganzen Tag. Ein Aufstieg auf den Torre grossa, den höchsten, den Stadtturm, den kein privater Wohnturm überragen durfte, erlaubt uns einen herrlichen Blick über die Stadt und die weite, hier vorwiegend grüne Landschaft ringsum. Um genanntes Gebot der Turmhöhen zu befolgen und doch "höher" und bedeutender zu sein, ließ sich eine Familie zwei miteinander verbundene Türme nebeneinander bauen und hatte somit den Stadtturm doch überflügelt! Diese beiden Türme stehen noch heute, man kann sie von oben betrachten, aber wie ein Leben in diesen engen Türmen für eine ganze Sippe möglich war, kann man sich doch nicht so recht vorstellen. Leider gibt es ein solches Museum nicht. Mit Wildschweinwurst, einem Pecorino, dem italienischem Schafskäse, einem ungesalzenen toskanischen Weißbrot und einer Flasche Chianti machen wir es uns auf dem Balkon des Hotelzimmers mit dem Blick auf das abendlich leuchtende Stadtbild gemütlich und genießen den Abend.
Sechster Tag: San Gimignano – Siena, 45 km
Heute wird im Prospekt eine Tour "bergab bis eben" vorgegeben, aber mit 440 Höhenmetern! Also richten wir uns lieber seelisch und moralisch auf die Höhenmeter ein und geben uns keinen Illusionen hin und tatsächlich geht es talabwärts und bergauf in bunter und rascher Folge. Die Landschaft ist hügeliger und die sanften Hügel der Vortage wechseln mit schrofferen Hügelformationen, das Tal der Elsa, eines Arno-Nebenflusses ist zu durchqueren und ein tief eingeschnittenes Bachtal auf steiniger Piste zu bewältigen - das Ab- und Aufwärtsschieben ist unerläßlich. Es ist wieder heiß und die folgende Asphaltstraße trotz des Verkehrs eine Erholung. Ein Castello am Wegrand müssen wir uns verkneifen zu besuchen, weil Siena am Abend bevorsteht und das Festungsstädtchen Monteriggioni noch zu erklimmen ist. Wahrlich auf steilem Berg erwartet uns eine Vorburg Sienas aus dem frühen 13.Jhd. mit intakter Stadtmauer und kleineren Häusern, als wir es in den Städten gewohnt sind. Die Autos, die früher die Piazza zugeparkt haben, bleiben neuerdings auf den Parkplätzen vor der Festung und die guarda civile wacht peinlichst darüber. Das Städtchen lebt nur noch vom Tourismus aber nicht aufdringlich, eher ehrwürdig zurückhaltend. Ein kleiner Park mit Picknick-Plätzen ist vorhanden, also auch etwas für die einfachen Touristen! Der weitere Weg führt durch Schatten spendenden Wald aber auch wieder über eine Schotterstraße, die nicht ohne zu bremsen befahrbar ist, aber bald wieder in Asphalt übergeht. Auf Siena zu wird es turbulent und unser Hotel liegt weit außerhalb der Stadt, ein etwas verblichenes 4-Sterne-Hotel. Aber wir sind froh, daß wir es erreicht haben, denn die heutige Etappe war wohl die anstrengendste der ganzen Tour. Das Gepäck trifft recht spät erst ein und wir müssen dem Fahrer unsere Räder noch übergeben, es sind unsere eigenen, die er mit zurück nach Florenz nimmt, wohin auch wir morgen mit dem Zug zu unserem Auto zurückfahren werden.
Per Bus gelangen wir an die Peripherie der Innenstadt, denn selbst der Nahverkehr kann nicht in die engen Straßen der Altstadt hinein. Mit vielen Menschen steuern wir dem zentralen Campo zu und sind überwältigt von der einer Zuschauerarena gleichenden Piazza vor dem Palazzo Pubblico, dessen 102 m hoher Turm majestätisch am Fuße des Platzes thront. Das Domgelände liegt etwas abseits davon und an riesigen Palästen der ehemals reichen Familien Sienas vorbei genießen wir das abendliche Flanieren und den hereinbrechenden Abend von einem Boulevard-Ristorante des Campo aus und beschließen die schöne Radtour bei einer Karaffe vino della casa, der auch an dieser exponierten Stelle erschwinglich ist und vorzüglich mundet. Vermißt haben wir auf der Tour eigentlich nur unser heimisches gewürztes und auch dunkles Brot, alle anderen Erlebnisse und Eindrücke waren diese Reise wert und werden uns auch wieder in diese geschichtsträchtigen und landschaftlich abwechslungsreichen Gefilde zurückbringen.
Gerald Hummel, Niederwiesa, Herbst 2001