Radtour auf dem Tauernradweg
Es handelte sich um eine organisierte Tour über etwa 350 km in nur fünf Tagen, die wir wie immer individuell gefahren sind, also nicht in der Gruppe, nur mit fest gebuchten Unterkünften und Gepäcktransport. Wir haben wieder bei "Donautours Linz" gebucht, da wir mit diesem Unternehmen schon gute Erfahrungen gemacht hatten. Und es hat auch dieses Mal wieder alles bestens geklappt. Der Start war in Krimml, die Tour führte von ca. 1100 m über NN flussabwärts an Salzach und Inn entlang bis nach Passau - wir konnten also mit vornehmlich abwärts führenden Radwegen rechnen und zur Reisezeit Ende Juni - Anfang Juli auch mit gutem Wetter. Wir konnten wählen, ob wir in Passau anreisen und uns zu Beginn nach Krimml transportieren lassen, oder in Krimml anreisen und den Rücktransfer per Bus am Ende von Passau aus haben. Wir wählten letztere Variante, um für eine Anschlusstour in der Steiermark gleich im Gebirge zu sein.
Die Anreise erfolgte über das Zillertal und den mautpflichtigen Gerlospass, wie wir fanden, eine gute Idee, denn die Serpentinen hinab nach Krimml waren mit Parkmöglichkeiten und guten Aussichtspunkten auf die Krimmler Wasserfälle ausgestattet und boten so eine schöne Einstimmung auf das Bevorstehende.
Nach dem Einchecken im Hotel blieb auch noch genug Zeit, einen Spaziergang und einen Aufstieg zu besagten Naturschönheiten zu unternehmen.
1.Tag: Krimml - Zell am See, 72 km
Am Morgen ist Radausgabe, wir haben aber unsere eigenen Räder mit. Der Start verzögert sich, da das heftige Gewitter vom gestrigen Abend noch seine reichlichen Nachwehen ausschüttet. Erst gegen Mittag fahren wir als letzte mit Regenkleidung los, müssen noch bis an das untere Tosbecken der Wasserfälle etwas talaufwärts fahren, bevor auf dem anderen Ufer der wild schäumenden Krimmler Ache der ausgeschilderte Tauern-Radweg durch den Wald steil abwärts führt. Am Krimmler Bahnhof, an dem wir schon gute 200 Höhenmeter über teils geschotterte Waldwege abwärts gerollt sind und bis zu dem eine Schmalspurbahn von Zell am See heraufführt, mündet die Ache in die Salzach, aber wir sind recht erstaunt, dass diese gar kein Wasser führt. Der Speicher Durlaßboden oben am Gerlospass, an dem ein Wasserkraftwerk auf der anderen Seite arbeitet, wird wohl zusätzlich aus der oberen Salzach gespeist. Das ist für uns die möglichen Erklärung für dieses Phänomen. Ab hier jedenfalls gibt es eine Salzach mit genügend Wasser aus der Krimmler Ache! Das im Oberlauf der Salzach noch recht enge Tal weitet sich jetzt und es gibt Radwege durch Felder und Wiesen abseits der Straße und auch mal durch ein enges Dörfchen mit Blick auf die reichlich Zweieinhalbtausender über dem Talrand. Nach 30 Kilometern etwa finden wir in Hollersbach einen interessanten begehbaren Kräutergarten, in dem Yves Rocher u.a. seine Kosmetik-Kräuter anbauen und ernten lässt.
Die rasante Abfahrt des ersten Teils der Tour fordert ihren Tribut mit einem gerissenen Vorderradbremsseil. Die gut sortierte Reparaturbox in der eigenen Packtasche hilft uns weiter und der Schaden ist bald behoben. Der gut ausgeschilderte Radweg wechselt des öfteren die Flussseite, überquert die Talstraße und führt recht oft auch aufwärts durch ein Dörfchen, das sich an den Talhang schmiegt. Wir wählen kurz vor dem Ziel in Zell am See nicht die kürzere Straße, sondern folgen der Wegebeschreibung nach Kaprun, was wieder etliche Höhenmeter aufwärts bedeutet. Wir werden aber auf sonniger Kaffeeterrasse durch einen ebenso sonnigen Blick auf das winterliche Kitzsteinhorn belohnt, auf dem jetzt zu Sommersanfang doch reichlich Wintersportgäste unterwegs sind. Über die Burg von Kaprun, abwärts in die Talebene rollt es dann entspannt zum Tagesziel mitten im belebten Zentrum von Schüttdorf, einem Vorort von Zell. Die Tour war trotz der abwärts führenden 350 Höhenmeter mit ihren 72 km Länge und ständigen Anstiegen zwischendurch doch recht anstrengend und so wird der Abend nur gemütlich im Restaurant beendet. Zell, den See, die Schmittenhöhe und das Hinterland an der Saalach nehmen wir uns auf der Weiterreise nach der Tour vor, wo wir noch einmal hier Station machen wollen. Da wir also nicht direkt in Zell am See wohnen, bleibt uns nach der anspruchsvollen Tagestour heute keine Zeit mehr für diesen sicher sehenswerten Ort und seine Umgebung.
2.Tag: Zell am See - Bischofshofen, 67 km
Die Kirche neben dem Hotel war gnädig zu uns, sie hatte ab 21 Uhr Nachtruhe und läutete erst wieder 6 Uhr am Morgen, übrigens ist sie mit einer Tiefgarage unterbaut worden, wie wir gestern Abend noch feststellen konnten. Ein relativ seltenes bauliches Unterfangen, aber im felsigen Untergrund offensichtlich kein Problem. Die Radroute führt zwischen Bahnstrecke und Seeufer durch das schmale Gelände der Strandpromenade von Zell an den nördlichen Scheitelpunkt des Sees, mit Bade- und Campingplatz. Eine Umgehungsstraße um Zell am See leitet den sicher dichten Verkehr aus dem bayerischen Saalachtal in einem langen Tunnel durch den Berg. Der Großglockner, der von hier aus hinter dem Kitzsteinhorn sichtbar sein soll, hat sich wie auch bei späteren Versuchen selbst von der Großglockner-Hochstraße aus mit einer dichten Wolkenmütze bedeckt gehalten. Das Ostufer ist auf ruhiger Straße gut befahrbar und wir fahren in das sich wieder verengende Salzachtal ein, in dem die Felsen dicht an den Fluss herantreten. Dicht darauf steht die erste Staustufe der Salzachkraftwerkskette vor uns.
Bei Taxenbach kann man die Kitzlochklamm mit Wasserfall besuchen. Wir entscheiden uns aber lieber für die später folgende Liechtensteinklamm. Doch vorerst müssen wir noch zum Ausgleichsbecken Loifarn für das Kraftwerk Schwarzach aufsteigen. Mit schönem Blick auf St.Veit im Tal gibt es für uns Picknick hoch über dem Tal, bevor wir wieder zu Tal rollen können. Die bequemere Strecke, aber eben ohne die schöne Aussicht, führt die dicht befahrene Talstraße entlang.
Im Salzachknick, d.h. an der Stelle, wo sich der bisher ostwärts verlaufende Fluss nach Norden wendet, zweigt nach zwei weiteren Kraftwerken ein Fahrweg zur Liechtenstein-Klamm ab. Ein kurzer Aufstieg mit den Rädern ermöglicht es uns später, den Weg abwärts fahren zu können. Die Klamm selbst ist sehenswert mit ihren tosenden Wasserfällen, engen Galerien und schmalen Schluchten. Als Krönung erblicken wir hoch über der Schlucht eine Betonstützmauer einer Autostraße den Steilhang abschließen. Abwärts wieder im Tal angekommen, dämmt vor St.Johann im Pongau ein weiterer Staudamm den Fluss zur Stromerzeugung ab. In St.Johann besuchen wir den imposanten zweitürmigen Pongauer Dom, bevor wir die letzten Kilometer nach Bischofshofen hinein fahren. Das Hotel liegt in der kleinen engen Altstadt, die Stadt sonst besteht nur aus Straße, Bahn, Autobahn und meist hässlichen alten z.T. verfallenen Bergarbeiterhäusern entlang der schmalen Straße. Erst der Aufstieg zum St.Georgen-Kirchberg gestattet einen freien Blick auf Hochstein, Tennengebirge und Dachstein und gewährt uns dort etwas Ruhe vor dem Verkehrslärm.
3.Tag: Bischofshofen - Salzburg, 63 km
Nach kurzer Fahrt an den Bahnanlagen entlang erreichen wir schon Pfarrwerfen, wo es im Mühlbachtal aufwärts sieben übereinander angeordnete kleinere Mühlen zu sehen gibt. Im weiteren Verlauf des Tales der Salzach öffnet sich der Blick auf die Burg Hohenwerfen hoch über dem Fluß, aber hebt man den Blick um etwa 1000(!) Höhenmeter den Berghang empor, entdeckt man eventuell die Station der Seilbahn, die zu den Höhlen der Eisriesenwelt führt! Das ist ein sehenswertes Naturwunder, aber leider für eine Radtour mit Ziel Salzburg, wo man den Nachmittag verbringen will, nicht erreichbar. Einen halben Tag muß man schon für Auffahrt, Seilbahn, Aufstieg und Höhlenbegehung mit eben solchem Rückweg einplanen. Wir haben auf der Rückreise einen Tag dafür und Hohenwerfen im Tal eingeplant.
Die wegen der parallel verlaufenden Tauern-Autobahn wenig befahrene Bundesstraße fahren wir weiter talwärts bis sie allein mit dem Fluß sich durch die enge Schlucht windet, vorbei an den sogenannten Salzachöfen, wo sich der Fluss seinen Durchlass zwischen zwei Gebirgszügen mit strudelförmigen Auswaschungen der Felsen gegraben hat. Nun führt sogar die Straße noch aus dem Tal heraus einen kurzen Anstieg hinauf zum Pass Lueg mit der Kapelle Maria Brunneck, einem erfrischenden zugehörigen Brunnen und einem Gasthof. Mit der Abfahrt auf der anderen Seite verlassen wir die Gebirgspassage der Salzach und tauchen in eine liebliche Ebene bei Golling mit verstreuter Besiedlung, den Tennengau, ein. Den Wasserfall am Gasthof Hubertus finden wir nicht, weil man uns wahrscheinlich die falsche Richtung gewiesen hat. Also geht es weiter nach Hallein, der alten Salzstadt, mit Keltenmuseum, dem Salzbergwerk am Dürrnberg (mit Seilbahn und damit viel zu zeitaufwändig für uns) und der italienisch anmutenden Altstadt. Wir begnügen uns mit dem Grab und dem Wirkungsbereich von Franz Xaver Gruber, dem Schöpfer des Heiligabendliedes und fahren die letzten 10 km auf den schattigen Deichwegen nach Salzburg hinein.
Durch dichten Verkehr müssen wir durch die Stadt zum Hauptbahnhof und zum Europahotel. Das Hotel war mir aus alten Quellen als eines der fürstlichen Etablissements Salzburgs beschrieben worden. Wir waren deshalb über den x-stöckigen Neubau aus Glas und Stahl an dessen Stelle erschrocken. Vom Stadtbummel per Rad erholten wir uns auf der Sonnenterrasse des Stiegl-"Kellers" bei herrlicher Aussicht auf die Stadt. Hier könnte man noch ein paar Tage umherstreifen und die Sehenswürdigkeiten besuchen, aber morgen geht es erst einmal weiter. Wir kommen zusammen mit einem großen Feuerwehreinsatz abends wieder im Hotel an. Es musste ein empfindlicher Rauchmelder im neuen Haus den Fehlalarm ausgelöst haben, denn außer dass eine halbe Stunde die Fahrstühle außer Betrieb waren, gab es wohl keine weiteren Vorkommnisse.
4.Tag: Salzburg- Braunau, wieder 71 km !
Nachdem wir alle Fenster geschlossen hatten, fanden wir auch vor dem allseitigen Verkehrslärm Ruhe. Die Vollklimatisierung wehrte auch die nächtliche Wärme ab und nach vorzüglichem Frühstück in der Panoramaetage des Hotels starten wir vom unterirdischen Terminal der Lokalbahn zu einer halbstündigen Fahrt aus der Stadt heraus nach Oberndorf. Die weiteren 25 km auf dem Treppelweg am Fluß entlang wechseln nur die Hinweisschilder zu Fahrradhotels und -Restaurants miteinander ab, sonst ist nichts zu sehen im Uferwald. Die scheinbar kanalisierte schnurgerade Salzach bildet hier die Grenze zu Bayern... Endlich in Tittmoning verlassen wir das Tal und müssen uns über einen Höhenzug auf etwa 130 Höhenmeter aufwärts mühen, bevor es ebenso unspektakulär aber schattig im Wald wieder hinabgeht. Jetzt grüßt auf dem anderen, dem
deutschen Ufer, die langgestreckte Anlage von Burghausen herüber und wir wechseln dort das Ufer, um dieser Burg einen Besuch abzustatten. In Vorbereitung auf die Landesgartenschau werden hier viele Bauarbeiten durchgeführt, aber das Areal der hintereinander fortführenden Burghöfe ist schon sehenswert. Im Ort überrascht uns die Prominentenmeile der Größen der Jazzmusik, die aus Anlass der hier stattfindenden Jazzfeste mit Bronzetafeln im Fußweg der Fußgängerzone verewigt worden sind.
Wieder auf dem österreichischen Ufer windet sich die Serpentinenstraße etwa 100 m in die Höhe, bevor wir von einer Plattform im Ortsteil Ach noch einmal einen schönen Blick zurück auf Burg und Fluss werfen können. Jetzt folgt ein verwirrendes Stück Weg auf dem Salzach-Inn-Radweg zur Höhenstraße und zur Aussicht auf den großräumigen Mündungsbereich der Salzach in den Inn. Hier scheint sich zur Schneeschmelze gewiss eine riesige Fläche Hochwassers auszubreiten, denn auf deutscher Seite ist es flach und eben weit ins Land hinein. Wir haben aber wenigstens nicht diesen weiteren und wie wir später erfahren unzureichend markierten Weg an der Burghausener Raffinerie vorbei auf dem anderen Ufer gewählt. Nach weiteren 10 km durch lichten Uferwald steht dann plötzlich ganz überraschend, aber doch lang ersehnt, die Stadtkirche von Braunau vor uns auf der Höhe. Eine Umfahrung der flussseitigen Stadtmauer und Aufstieg durch das Hochwassertor in die Stadt, die sich mit einem langgestreckten breiten Stadtplatz präsentiert bringt uns zum altehrwürdigen "kaiserlichen" Hotel zur Post, in dem schon die Kaiser Franz und Napoleon genächtigt haben. Die Spur des Herrschers über ein "Tausendjähriges Reich" ist dagegen nur dezent mit einem Mahnmal an dessen Geburtshaus außerhalb der historischen Stadtmauern gekennzeichnet. Das Straßencafé des Hotels versorgt uns in der abklingenden Tageshitze mit dem Nötigsten und vor allem mit ... vielem frischen Gerstensaft!
5.Tag: Braunau - Passau, auch heute wieder 68 km !
Der letzte Tag führt uns am Inn entlang auf Treppelpfaden und durch Auwälder. Kraftwerksstaustufen weisen wieder auf die intensive österreichische Energiewirtschaft aus Wasserkraft hin. Durch das größte Vogelschutzreservat Europas radeln wir auf stillen Wegen an den Stauseen des Inn entlang, künstlich angelegte Wege auf den Dämmen, rechts davon blickt man in die tiefer liegenden Auwälder des ursprünglichen Flußbettes. Die Aufstiege zum Obernberger Markt und zum Kloster Reichersberg sind angenehme Abwechslungen, bevor es wieder hinunter auf den Dammweg geht. Dann macht sich die Innkreisautobahn lautstark bemerkbar, die sich ein Stück den Inn entlang zieht ehe sie über den Fluß nach Bayern abbiegt. In der Barockstadt Schärding besticht die barocke "Silberzeile", eine an ehemaligen Reichtum erinnernde Häuserzeile, mit reicher Architektur. Vor dem Wassertor mit seinen eindrucksvollen Hochwassermarken in der gut erhaltenen Stadtmauer blickt man auf den bayerischen Stift Neuhaus am anderen Ufer, bevor wir jetzt auf einer Straße hinter der Eisenbahnlinie die Burg Wernstein mit ihrem Pendant, der Neuburg auf dem bayerischen Ufer, passieren.
Auf ruhigen Wegen am Fluss mit seiner letzten Staustufe entlang erreichen wir die Innstadt von Passau, werfen schon mal einen Blick auf das sonnige Panorama der Stadt am anderen Ufer und finden bald unser Ziel-Hotel auf der österreichischen Seite. Wir sind auch von dieser Tagestour etwas strapaziert, aber nach kurzer Ruhepause radeln wir am besten, denn die Busse fahren ja auch nicht immer, wenn man sie gerade benötigt, in die Stadt an der Mündung des Inn in die Donau, um uns den Dom und die Altstadt anzusehen und am stillen Dreiflüsseeck den warmen Abend zu genießen. Morgen bringt uns der Bustransfer mit unseren Rädern wieder nach Krimml zurück, wo wir mit dem Auto zur nächsten Radwanderung "Um die kärntnischen Seen" starten werden. Dabei werden wir noch einmal Zell am See und wie schon erwähnt, die Eisriesenwelt besuchen und über die Großglockner-Hochstraße und Lienz nach Seeboden am Millstädter See fahren, wo wir die weitere, dieses Mal von "Berge und Meer" organisierte Radtour anschließen.
Gerald Hummel, Niederwiesa, 2002