Radtour durch Saaleland und Vogtland

 

Die Tour führt ca. 300 km durch sächsisch-thüringische Lande, d.h. genauer gesagt durch das sächsische Vogtland und das sich nach Westen anschließende Gebiet der Saale und seiner Talsperren. Ausgangs- und Endpunkt ist die Stadt Plauen, die man bequem mit der Bahn oder Auto erreichen kann. Die Tour ist entlang der Flußläufe der Saale und der Weißen Elster infolge tief eingeschnittener enger Täler etwas schwierig zu fahren, auf den Querverbindungen der beiden Täler dafür eher leichter.

 

1.Tag: Anreise und Fahrt in das Saaletal 42 km

Man verläßt die Stadt am besten über die Friedensstraße und die wende-historische Friedensbrücke über das Syratal bis zum Dittrichplatz, biegt links in die Trockentalstraße und später rechts in die Straßberger Straße. Man befindet sich jetzt schon einmal im Tal der Weißen Elster, die von der Talsperre Pirk herunterkommt. Das Tal verläßt man in Straßberg nach Kloschwitz, Reuth und Mißlareuth. Hier ist die über 630 m hohe Windmühle, ein Berg an der sächs.-bayer. Grenze zu passieren, bevor es nach Gefell hinab geht. Bei Blintendorf kreuzen wir die A9 und können in Frössen entscheiden, ob wir den klassischen Startort für die Saaletour Blankenstein am Beginn des Rennsteigs ansteuern oder das etwas weiter saalabwärts gelegene Saaldorf. Die Entfernung ist etwa die gleiche, die Unterkunftsmöglichkeiten in Blankenstein reichlicher und es ist eben Wanderflair am Rennsteigbeginn zu erleben. Allerdings wird die Tour für morgen etwa 12 km länger auf schönem Radweg in Flußnähe nach Saaldorf.

Da wir den Rennsteigbeginn schon von einer anderen Radtour her kennen, begannen wir unsere Radtour überhaupt erst in Saaldorf. Diese erste Tagestour wurde nur nach Karte beschrieben.

2.Tag: Blankenstein / Saaldorf nach Ziegenrück 58 / 46 km

In Blankenstein ist der Rennsteigbeginn unterhalb des Bahnhofs deutlich gekennzeichnet durch einige Karten, auch eine des neuen Rennsteig-Radweges, durch Höhenprofile, aber auch durch Wegweiser mit daran aufgehängten durchgelaufenen Wanderschuhen, die Wanderer dem Neuling zur Warnung da befestigt haben! Auch Erinnerung an die innerdeutsche Grenze werden wach dank der Gedenktafeln auf beiden Ufern des Selbitz-Flüßchens . An der großen Zellstoff-Fabrik, dem Rennsteig-Obelisk und weiteren Lagerplätzen für den Holzrohstoff vorbei erreicht man den Saaleradweg und verläßt bald die Straße, um die ersten Höhenunterschiede entlang der Saale zu überwinden.

In Saaldorf wechseln wir das Ufer und an einem früheren jetzt verwahrlosten Schloß einer reußischen Fürstenlinie steil aufwärts vorbei erreichen den Wald durch ein ehemaliges Tor eines großen Rotwildgeheges, das besagte Fürsten angelegt und gepflegt hatten. Abwärts und um einen Seitenarm der schon in Saaldorf beginnenden Bleilochtalsperre herum treffen wir in Saalburg ein, einem hübschen einstmals befestigten Ort am Beginn der Schiffsrouten auf der Talsperre. Wir befinden uns hier im östlichsten Teil des Thüringischen Schiefergebirges, dessen interessante geologischen Formationen natürlich am besten an den Hängen des Saaletals zu betrachten sind. So ist hinter dem großen Saalburger Campingplatz, durch den der Radweg führt und einer Klosterruine die sogenannte Steinerne Rose zu bestaunen, deren kreisförmiger Schieferfächer ein imposantes Stück Erdformation zeigt. Hinter dem Bleiloch, dem Engtal der Saale, das der Talsperre mit seiner dort gebauten 65 m hohen Staumauer den Namen gab, führt die Straße und ein asphaltierter Waldweg nach Schloß Burgk, dem wir uns, wenn wir nicht die baufällige Brücke über die Saale benutzen, über die Staumauer der kleineren Burgkhammer-Talsperre nähern. Der Blick auf das hoch oben thronende Schloß und den unter uns liegenden Burgkhammer belohnt für die Mühe, die wir jetzt noch zum Aufstieg brauchen. Schloß, Park und Burg sind sehenswerte Museen mit der westlichsten Silbermann-Orgel in der Schloßkapelle und eine gemütliche Schänke vor dem Schloß lädt zum Ausruhen ein.

Um dem Fluß nahe zu sein, meiden wir den ausgeschilderten Radweg und nutzen den blauen Fernwanderweg am Röhrensteig entlang mit schönem Rückblick aus einer Schutzhütte auf Schloß Burgk, einem breiten Waldweg auf dem Grat zwischen der Saale und der Wisenta auf der anderen Seite. Der Wisenta- und der Walsburg- Stausee tief unter uns erzeugen wie alle anderen Saalestauseen Elektroenergie und der "Abstieg" nach Walsburg gestaltet sich als Wanderweg eben etwas schwierig, wie überhaupt der Waldweg nicht mit jedem Straßenrad zu befahren ist.

Von Walsburg führt eine Straße am Fluß entlang nach Ziegenrück, das wir nach 6 km am Deutschen Wasserkraftmuseum von Vattnfall erreichen. Das Hotel "Zur Fernmühle" hier mit guter Gastronomie kann empfohlen werden, eine Pension mit Gaststätte im Ort war etwas billiger. Der Abend dient noch dem Besuch des einst so schönen Urlaubsortes: Die Bahn, die dem Ort Lebensader war, wurde eingestellt, das Fachwerk- Rathaus aus dem frühen 16.Jhd. steht baufällig leer, eine Villa in Bahnhofsnähe war offensichtlich den Gemeindevätern billiger, aber Orlamünde, Kahla und das entferntere Meißen(!) z.B. sind da auch nicht besser dran. Schöne alte Fachwerkhäuser um das Rathaus herum stehen ebenso leer. Die Burg hoch über den Saaleschleifen ist privatisiert und damit dicht, der Aufstieg lohnt absolut nicht. Eine der schon erwähnten Naturwunder der Schieferfächer oder -rosen ist dagegen im Saaletal zu sehen, so etwas verfällt wenigstens nicht!

Die 58 und selbst schon die 46 km des heutigen Tages hatten es in sich, da die Landschaft und die engen Täler schwierig zu befahren sind und die Wege doch nicht immer die besten waren. Morgen wird es sicher schon besser werden.

3. Tag: Ziegenrück- Saalfeld, 48 km

Aus Ziegenrück heraus fuhr die Eisenbahn früher weiter ein Stück das Saaltal abwärts und wir hofften, daran entlang einen Weg zu finden, der uns den Anstieg nach Liebschütz ersparen würde, aber die Privatisierung eines Bahnwärterhauses mit großem Grundstück machte es uns nicht möglich, diesen Weg zu finden. Also hinauf nach Liebschütz (500m über NN) und wieder hinab zur Ottermühle, diese liegt wieder im Bahnniveau aber ist geschlossen. Hinauf den Zschachengrund nach Drognitz, der Flußlauf bzw. die Talsperre ist weit unten und nicht zu sehen. Also bleiben wir auf der Höhe. Irgendwie haben sich seit Ziegenrück die Dorfansichten verändert. Es geht lebendiger zu, die Häuschen sind hübscher und in Reitzengschwenda lockt ein hübsches Dorfmuseum im Fachwerkstil zum Besuch ein. Es klärt sich einiges auf, daß wir hier im ehemaligen Herzogtum Sachsen Altenburg (H.S.A.) sind, wie es ein alter Grenzstein markiert. Wir haben also das Vogtland verlassen, war die Region vielleicht früher ärmer? Und heute?

Rund 220 Höhenmeter geht es hinab zur Hohenwarte- Talsperre und an dieser entlang zur Staumauer mit Biergarten und Imbiß. Unterhalb dieser beginnt das Eichicht- Staubecken, an dem sich das Pumpspeicherwerk Hohenwarte II befindet mit seinem 320 m höher gelegenen Speicherbecken.

Eichicht liegt an der Mündung des Loquitzflusses, in dem die Fernstrecke der Bahn nach Bayern führt. Dichter Verkehr belegt die Fernstraße B85, die hier ebenfalls unterhalb der Burg Eichicht entlangführt. Glücklicherweise müssen wir nicht da entlang, sondern können über hübsche Dörfer auf dem westlichen Saaleufer entlang fahren, was aber wieder einige Höhenmeter beim Überqueren von Seitentälern bedeutet. Dann taucht die riesige Schokoladenfabrik in Saalfeld auf, die jetzt zu Stollwerck und Sprengel gehört. Ihr soll es nicht besonders gut gehen, wie so manchem aufgepeppten ostdeutschen Betrieb...

In Saalfeld wird hinter dem ersten Stadttor Quartier gemacht und abgeruht. Die Stadt ist wunderschön innerhalb ihrer Stadtmauer mit Türmen und an ihrem großen Markt mit einem romanischen Wohnturm von 1180 (!), einem vorbildlich rekonstruierten "bewohnten" mittelalterlichen Rathaus, dem Saaleufer mit dem Hohen Schwarm, einer Burgruine aus der Stauferzeit und dem Schlößchen Kitzerstein, das heute eine renommierte Musikschule beherbergt. Die Johanneskirche hat seit Ende des 14. Jhd. ihre heutige Gestalt und noch Glocken aus dieser Zeit erhalten. Sie ist als Deutsch-Ritter-Kirche erbaut worden und besitzt eine sehr gute Sauerorgel, von deren Klang wir uns am Abend bei der 980. Saalfelder Abendmotette mit Schülern verschiedener Musikschulen überzeugen können. Bei dieser Gelegenheit können wir auch stimmungsvoll den reich geschmückten Innenraum betrachten, der sonst, wie bei den meisten evangelischen Kirchen, tagsüber nicht zugängig ist.

Das bekannteste und traditionsreiche Weinlokal, das "Loch", wird mittlerweile von einem Chinesen bewirtschaftet und hat damit wohl seinen Reiz für immer verloren. Der "Goldene Anker" und der "Pappenheimer" haben dagegen ihre Tradition bewahrt und bieten gute Küche und heimische Weine.

4.Tag: Saalfeld- Kahla, 59 km

Heute führt unsere Tour auf richtigen Radwegen saaleabwärts. Das Tal war gestern schon breiter geworden, das Schiefergebirge haben wir verlassen und es taucht Buntsandstein an den Talhängen auf, der dicht am schattigen Radweg zu sehen ist. Es kündigt sich heute der heißeste Tag der Tour an, es war schon die Tage vorher so um die 30°C und jedes Stück schattiger Radweg willkommen. In den Städtchen konnte man seinen Durst in den Supermärkten oder an Trinkwasserbrunnen stillen und seine Vorräte wieder auffüllen, eine natürliche Quelle bei Ziegenrück hatte mir allerdings zu leichterer Verdauung verholfen, so daß ich mehr auf Molke, Buttermilch oder einfache Milch aus dem Supermarkt umgestiegen bin. Auch ein Bierchen war gelegentlich willkommen, das wegen der sofortigen "Verdunstung" auch keine Konditionsschwächen hervorrief.

Kurz vor Schwarza, einer bekannten Chemie-Stadt mit Polyesterproduktion, kündete ein riesiger Bauplatz von neuen Aktivitäten für diese oder ähnliche Produkte. Leider verließen wir hier den ausgeschilderten Radweg, da wir nach Bad Blankenburg abzweigen wollten. Wir schoben uns also gefahrvoll durch die engen Straßen des Industriestädtchens, wo ansonsten die Welt stehengeblieben ist, denn es gibt kaum Fußwege zum Radschieben und auf der engen Bundesstraße war ein Fahren unmöglich. Eine Seitenstraße nach Bad Blankenburg angesichts der Burgruine Greifenstein, die wir besuchen wollten, erwies sich als unpassierbar, da sie gerade frisch asphaltiert wurde. Also änderten wir unseren Plan und drehten um, damit wir wieder bei Rudolstadt auf den Radweg kommen konnten. Der Aufstieg zum Schwarzaer Beton-Neubaugebiet erwies sich ebenfalls als Flop, da diese Wohngebiete meist nur Ringstraßen und keine Auswege besitzen. Schließlich gelangten wir aber auf der B 88 doch noch nach Rudolstadt, zu seiner trutzigen Heidecksburg auf der Höhe und dem hübschen Marktplatz im Ort. Den Aufstieg zur Burg ersparten wir uns aber bei der Hitze, zumal ein riesiger Flügel des Schlosses mit Bauplanen überdacht war, oder ist es nur die Bühnenüberdachung des Folklorefesivals, das demnächst wieder hier abläuft?

Auf ruhigen Wegen und Asphaltstraßen ist der markierte Radweg auf dem anderen Ufer der Saale markiert, als auf dem die Bundesstraße entlang führt. Auf der Burgterrasse der Weißenburg, einer Rehaklinik, genießen wir im Schatten den Blick auf das weite Saaletal und den gelegentlich vorbeiziehenden ICE in Richtung Nürnberg. Als in Niederkrössern der Radweg steil den Ort hinaufsteigt, kehren wir um und nutzen kurz die Bundesstraße, um von ihr aus den Aufstieg bei nahezu 35°C nach Orlamünde zu wagen. Jeder Kiosk am Straßenrand, und so etwas gibt es natürlich nicht an Radwegen, sondern nur an Hauptstraßen, ist willkommen für einen Erfrischungstrunk. So auch hier mit einem kühlen Eistee. Der Aufstieg zum historienträchtigen Orlamünde hat sich schon gelohnt, da wir von oben herein durch ein Stadttor gleich zum Lutherhaus gelangen, dessen längere Anwesenheit hier und sein Streit mit einem fanatischen Eiferer in Sachen Reformation, dem Karlstadt genannten Andreas Bodenstein, dem Ort das historische Gepräge gegeben haben. Aber auch Grafen beherrschten vom steilen Felsen aus hier lange Zeit die Gegend, die Burg, eine Kemenate mit gewaltiger Mauerstärke aus dem 11.Jhd. und eine Kirchenruine zeugen von der ehemaligen Bedeutung des Städtchens. Heute ist aber, wie schon erwähnt, das gotische Rathaus ungenutzt, die Stadtverwaltung sitzt wohl anderswo, wahrscheinlich auch nicht im Rathaus des nahen Kahla, denn das steht auch leer.

Auf schönem Radweg nähern wir uns der Stadt Kahla ... und kehren ihr gleich auf den ersten Blick wieder den Rücken. Der Markt wird nur von einem einsamen Textilienstand eines Vietnamesen beherrscht, sonst herrscht eher Totenstille, kein Geschäft, somit keine Leute, das einzige Hotel als Schmuckstück abseits und zu teuer. - Unterhalb der Leuchtenburg, auf dem anderen Saaleufer bietet ein kleines Hotel erschwingliche Gastfreundlichkeit, die in der freundlichen Geste gipfelt, angesichts der Hitze, des nahenden Gewitters und unserer müden Gesichter, uns mit dem hauseigenen Kleinbus mitsamt den Rädern hinauf zur Leuchtenburg zu fahren! Ein unerwarteter Service! Wir können auch auf der Burg trotz des schon geschlossenen Museums und der daran hängenden Wirtschaft noch ein Bier bekommen, aber zu Essen gibt es nichts mehr. - Am Berghang erläutert eine Informationstafel die Entwicklung des Weinanbaus in dieser Gegend und in ganz Thüringen, der im Saaletal seit dem 12.Jhd. von den zugewanderten Franken betrieben worden ist. Wir genießen den Rundblick und die Abfahrt zu unserem Hotel, um beim endlich sich entladenden Gewitter zum Schwarzbier ein vorzügliches Thüringer Rostbrätel zu verzehren.

5.Tag: Kahla-Weida, 50 km

Heute verlassen wir das Saaletal, um den Kreis durch das vogtländische Kerngebiet hindurch zu schließen. Natürlich müssen wir einige Höhenmeter aus dem Tal heraus auf die Hochfläche steigen, aber bei abgekühlten Temperaturen und vom Gewitter des Vorabends noch feuchten Straßen eine angenehme Fahrt.

Nicht ohne Grund zieht uns ein Neorenaissance-Schloß mit dem Namen Hummelshain an, das auf der Höhe und in einem riesigen Wald- und Jagdgebiet liegt. Nicht nur die sächsisch- altenburgischen Fürsten sondern auch die höheren Genossen der Partei- und Staatsführung wußten diese Besonderheit zu schätzen! Man sieht das zumindest an dem noch unverkennbar als Swimming-pool genutzten Schloßbassins und den angrenzenden Plattenbauten für die Bediensteten der hohen Herren! Der "Kunstführer durch die DDR" erwähnt es aus diesem Grund gleich gar nicht, sondern nur einen spätgotischen Flügelaltar in der Stadtkirche des Ortes.

Das Jagdrevier erstreckt sich fast bis Neustadt a.d. Orla, unserem nächsten Ziel, wo gerade ein Brunnenfest auf dem Markt vorbereitet wird. Aus dem Städtchen heraus verspürt man die Verkehrsberuhigung, die auf einer weiträumigen Umgehungsstraße den regen Verkehr des Orlatales von der Stadt fernhält. In Triptis laufen Aktivitäten zur 675-Jahrfeier des Ortes. Die Straßen der heutigen Tour sind bis Weida, unserem heutigen Etappenziel wenig befahren und in gutem Zustand, Radwege gab es kaum.

Weida, der "Gründungsort" des Vogtlandes, macht zunächst einen sehr uneinheitlichen Eindruck: alte historische Ruinen, renovierte Geschäftshäuser, renovierte Geschäfte und Hotels, die schon wieder leer stehen, hübsche Privathäuser, Pflasterstraßen aus dem Mittelalter, ein paar hübsche Boulevard-Cafés und über allem die altehrwürdige Osterburg, die zwar im Tal gelegen aber hoch über den Altstadthäusern doch ein Machtsymbol darstellt. Hier in dieser Stadt findet man eine eigenartige Symbiose von alten und "neuen" Ruinen, daß man gar nichts Anstößiges an modernen Industrieruinen mehr findet. So ist eben der Lauf der Zeit und in den östlichen Ländern Deutschlands besonders!

Im Ort gibt es die sehenswerte Widenkirche als Ruine, noch bewohnte Klöster, eine zweischiffige restaurierte Stadtkirche, wie ich nur noch eine in Pirna kenne und nicht zuletzt die bereits genannte Osterburg, den Sitz der Weidaer Vögte, die im 12.Jhd. dem Gebiet den Namen gaben, das einst bis Borna und Altenburg im Norden und bis Hof, Naila und Eger im Süden reichte. Heute bezeichnet man als Vogtland das Land um und mit der "Hauptstadt" Plauen, wobei der eigentliche Gründungsort Weida nicht mehr dazugehört. Das hatte sich wohl durch die sächsische Teilung von 1485 ergeben, wo sich albertinische und ernestinische Sachsen das Land aufteilten und damit auch ihren politischen Untergang besiegelten. Weida gehört heute zu Thüringen und das Vogtland bezeichnet sich auch als Sächsisches Vogtland.

Im mittelalterlichen Ritterkeller der Burg essen wir ritterlich, allerdings ohne weitere Gäste. Am Abend geraten wir in eine Vernissage im Turm der Burg, bei der wir noch einige Einblicke in die Anlage erhielten, denn das Museum war schon geschlossen, als wir die Burg erreichten. In der Altstadt haben wir eine ruhige Pension gefunden, aus deren Biergarten wir noch einen schönen abendlichen Blick zur Burg haben.

6.Tag: Weida - Plauen, 52 km

Die Hitzeperiode ist erst einmal vorbei in diesem selten heißen Sommer und es herrschen angenehme 20-25°C. Wir verlassen nach gemütlichem Frühstück in der Pension Weida in Richtung Süden auf einem ausgeschilderten Radweg, der zunächst wieder auf die Höhe, aber noch nicht in das wiederum enge Tal der Weißen Elster führt. Felder mit reichlich Mohn- und Kornblumen wechseln mit kleineren Waldstücken, nochmals eine liebliche Höhenlandschaft, bevor wir bei Neugernsdorf wieder in das Tal hinabfahren, um entlang der Weißen Elster Greiz zu erreichen. Diese ehemalige Residenzstadt hat sich am Flußufer schön gemacht mit dem klassizistischen Unteren Schloß, in der Altstadt mit noch vielen Baustellen herrscht reges Treiben - es gibt wieder ein Stadtfest und über allem thront auf hohem Berg die mächtige Oberburg im Renaissance-Stil.

Als nächstes Ziel erreichen wir auf der heute am Sonnabend wenig befahrene B92 Elsterberg mit seiner stattlichen Burgruine seit 1700 und einer auffallend großen Stadtkirche. Ansonsten herrscht schon ruhige Wochenendstimmung als wir weiter in die Vogtländische Schweiz eindringen, die durch ihr enges Elstertal, das wir nicht befahren können, wohl recht interessant für Wanderer ist. Wir sehen den Fluß nur, als wir bei Trieb tief in das Tal hinunter und angesichts der schönen aus Ziegeln gemauerten Elstertalbrücke wieder steil drüben nach Jößnitz hinaufsteigen müssen. An der Brücke mündet die Trieb, die gleich hinter Jocketa zur Talsperre Pöhl, einem beliebten Ausflugsziel und Segel- und Badeparadies der Plauener angestaut worden ist. Ein Stück an der Bahnstrecke entlang und durch einen letzten Waldabschnitt fahren wir in Plauen ein und erreichen später den Bahnhof, an dem vor 6 Tagen unsere etwas schwierige aber abwechslungsreiche Tour begann.

 

 

Gerald Hummel, Niederwiesa, Juni 2003